Dienstag, 16. Juni 2009
So isses wenn man den Hals nicht voll bekommt... Am Ende ist kein Platz für so viel und reflexartig kommt es wie es kommen muss. Man ist wieder leer. Daraus resultiert der tolle Teufelskreis: man versucht die Leere vollzustopfen mit irgendwas. Das ist dann alles andere als gut. Ersatzhandlungen stinken und führen nie zur wirklichen Erfüllung.

Und dann steht man da und fragt sich "was wollte ich eigentlich?". Eine Antwort wird man natürlich nicht finden, weil man längst vergessen hat, was man wollte.

Und so lebt man mehr oder weniger munter vor sich hin und fühlt sich wie eine Schreibtischlampe. Nur erleuchtet, wenn man am Schalter rumdrückt und irgendwann kaputtgespielt.




Donnerstag, 11. Juni 2009
So haben sich die Klausurnoten meines Englischkindes entwickelt. Stolz hat er mir heute von einer 1 berichtet. Und ich habe mich auf seine 12 Jahre eingefühlt und bin mit ihm im Kreis gehüpft. Was für eine Erleichterung.

Eventuell wird die Endnote eine 2, wie von seiner Mutter gewünscht. Ich hatte das eigentlich nicht für möglich gehalten.

Hat noch jemand Bedarf an Nachhilfe?




...ein wenig Nahrung im Magen, ein Stündchen nicht denken und es kommt wieder Energie in meinen Kopf.

Jetzt bereue ich, dass ich nicht da bin, wo ich geplant hatte zu sein. Aber vorhin ging es einfach nicht und jetzt ist es zu spät.




Wenn es schon ein MItarbeitergespräch gab, dann ist es wohl auch Zeit für meine Eindrücke des "neuen" Jobs.

Am Anfang sehr spannend, viel zu lernen und entdecken.

Jetzt merke ich jedoch, dass ich mich fühle wie ein Borg. Assimiliert. Ich bin kein Individuum, aber das wollte ich irgendwie auch so nach dem letzten Job. Ich wollte ersetzbar sein. Wenn ich krank bin, sollte ich mir keine Gedanken machen, ob jemand meine Arbeit machen kann. Jetzt hab ich das so... wie gewünscht. Und doch fehlt mir der Aspekt ICH zu sein. Ein Individuum und vor allem als solches gesehen zu werden. Die Arbeit ist anspruchsvoll, so ist es nicht. Sie fordert mich, manchmal auch bis an meine persönlichen Grenzen. Aber sie erfüllt mich nicht wirklich. Sie ist erschöpfend, aufreibend.

Ich war es immer gewohnt selbständig und eigenverantwortlich zu arbeiten, mir die Aufgaben einzuteilen. Nun ist das anders. Für eine SMS habe ich drei Stunden gebraucht, so wenig Luft habe ich. Ein wenig erinnert es mich an Akkordarbeit, nicht mit Ware, sondern mit Menschen. Dienstleistung am laufenden Band. Es gelingt mir. Die Kunden merken nichts. Ich halte die Spannung und die Fassade bis zum Feierabend. Und dann kommt immer der Einbruch. Im Moment ist nicht viel los, gestern habe ich 71 Kunden beraten, heute waren es nur 68. Im Normalfall sind es 100-120 pro Tag.

Vormittags plane ich meinen Abend und freue mich auf die Dinge, die ich nach Feierabend machen könnte / möchte / wollte. Nachmittags schon nicht mehr, da möchte ich einfach nur meine Ruhe. Und wenn ich dann Feierabend habe, ist mein Kopf leer und funktioniert nicht mehr. Ich prostituiere meine Denkkraft.




Samstag, 30. Mai 2009
Ich beobachte mich selbst dabei, wie ich mich manchmal benehme wie ein verwirrter Teenager. Ich beobachte mich eigentlich immer, aber das ist mir besonders aufgefallen.

Gerade vor einigen Minuten war ich in diesem Bio-Laden um die Ecke. Ich gehe dort nicht sehr oft einkaufen, vielleicht mal alle 2 Wochen ein paar Kleinigkeiten. Manchmal habe ich Glück und dieser Typ arbeitet dort. Als ich ihn das erste Mal gesehen hab, ist er mir komischerweise gleich aufgefallen. Komischerweise deshalb, weil er garnicht auffällig ist. Er wirkt sehr sympathisch auf mich und irgendwie schießt mir ständig "Berlin" durch den Kopf, wenn ich ihn sehe. Ich denke über sowas eigentlich nicht viel nach, aber heute musste ich nachdenken, denn ich habe äußerst merkwürdig agiert, als er vor mir stand und meinen Einkauf in die Kasse tippte.

Mir ist aufgefallen, dass er oft Blickkontakt suchte. Eigentlich kein Problem, aber heute hat es mich total verunsichert. Ich legte also Stück für Stück auf den Tresen, auch die Brötchen, die ich vorher woanders kaufte und merkte es nicht einmal. Bis er lächelte und sagte "die verkaufe ich dir aber nicht nochmal". Peinlich berührt nahm ich die Brötchen wieder vom Tresen, seinen Blicken ausweichend, wie eine 14-Jährige. Irgendwie will man immer vermeiden, dass der andere merkt, dass man ihn nett findet, weil es ja irgendwie ein angreifbarer Punkt ist, den man da offenherzig nach außen trägt.

Als ich endlich alles hinter mich gebracht, bezahlt und eingepackt habe, sagte er "ich wünsche eine frohe Pfingstzeit". Ich schaue ihn an und will irgendwas sagen, aber es kommt nur "Gleichzeit!" raus. Als gleich bemerkte ich, was ich sagte und war wieder peinlich berührt, winkte ab und stammelte ein "gleichfalls".

Dann ergriff ich die Flucht und verließ so schnell ich konnte den Laden.

Das sind so Momente, wo ich mir die Flache Hand vor die Stirn batschen möchte, es aber nicht tue.