Ganz oft, wenn ich unter der Dusche stehe und mir die Haare wasche, dann denke ich an jenen Augenblick, als er mit mir duschte. Als ich mir die Haare wusch, das Shampoo ausspülte. Wie er liebevoll über meinen Kopf strich und mir eine Stelle zeigte, an der immer noch Schaum war. Früher habe ich das nie bemerkt.
Wenn ich mir jetzt den Schaum aus dem Haar spüle, und genau an der Stelle angelangt bin, die er mir damals gezeigt hat, dann schließe ich die Augen und denke an jenen Augenblick und wünschte manchmal, er wäre da.
Wenn ich mir jetzt den Schaum aus dem Haar spüle, und genau an der Stelle angelangt bin, die er mir damals gezeigt hat, dann schließe ich die Augen und denke an jenen Augenblick und wünschte manchmal, er wäre da.
Ich weinte als würde es kein morgen geben. Richtig mit Schluchzen, das kommt selten vor. In mir ist etwas gestorben und ich betrauerte es. Weil Weinen so müde macht, bin ich eingeschlafen dabei, ohne vorher den Wecker zu stellen.
Ich wachte auf, weil mir eine Katze an den Füßen kratzte. Pünktlich um 6:30 Uhr. Noch immer war ich kaputt, erschöpft, ausgelaugt. Konnte nicht einfach aufstehen und den Tag beginnen. Ich blieb also noch liegen. Um 7 ging ich ins Bad und erschrak. Es war, als könnte man jede Träne, die meine Augen in der Nacht verließ, abzählen. Jede einzelne. Die Lider geschwollen, dicke Ränder unter den Augen. Nichts, was ich dagegen tun konnte. Kaltes Wasser, viel kaltes Wasser. Es half nichts. Da ich schon spät dran war, musste ich das Haus verlassen. Ich wusste, dass ich genauso gut hätte nackt gehen können. Ich trug meine Seele im Gesicht und sie ließ sich nicht abwaschen oder wegschminken. Ich wusste, jeder würde mir ansehen, dass ich fertig bin.
Ein wenig zu spät traf ich auf der Arbeit ein. Alle versammelt zum Meeting und ich, mit meiner Seele im Gesicht, platzte da hinein. Jeder starrte mich an, niemand sagte etwas. Ich setzte mich so unauffällig es ging. Immer wieder bemerkte ich die Blicke, flüchtig, merkwürdig. Die Mittagspause folgte und meine Seele noch immer auf meinem Gesicht, über Nacht eingegraben, ganz tief. Mir ging es jämmerlich damit. Immer wieder Blicke. Ein Kollege, mit dem ich mich zur Pause traf, fragte ob ich nicht schlafen konnte. Sie war also noch da, meine Seele, ausgepackt für jeden sichtbar. Ich erzählte, ich hätte eine schlechte Nacht gehabt.
Später am Nachmittag traf ich ihn wieder. Er sagte, ich sähe noch immer total fertig aus. Ob es wirklich nur eine schlechte Nacht gewesen wäre, oder ob mir etwas in den Knochen stecke, fragte er. Ich sagte, das gehe nun halt nicht weg, das wird sich sicher mit dem nächsten Schlaf erledigen.
Den ganzen Tag wollte ich mich verstecken, ging aber nicht. Mich einfach nur vergraben, mich nicht so entblößen müssen. Ich wusste, ich darf nicht weinen, wenn ich am nächsten Tag zur Arbeit muss. Es hinterlässt zu viele Spuren, die nicht gehen wollen.
Dabei tut es gut alles einfach auszuheulen. Damit muss ich wohl bis zum Wochenende warten.
Ich wachte auf, weil mir eine Katze an den Füßen kratzte. Pünktlich um 6:30 Uhr. Noch immer war ich kaputt, erschöpft, ausgelaugt. Konnte nicht einfach aufstehen und den Tag beginnen. Ich blieb also noch liegen. Um 7 ging ich ins Bad und erschrak. Es war, als könnte man jede Träne, die meine Augen in der Nacht verließ, abzählen. Jede einzelne. Die Lider geschwollen, dicke Ränder unter den Augen. Nichts, was ich dagegen tun konnte. Kaltes Wasser, viel kaltes Wasser. Es half nichts. Da ich schon spät dran war, musste ich das Haus verlassen. Ich wusste, dass ich genauso gut hätte nackt gehen können. Ich trug meine Seele im Gesicht und sie ließ sich nicht abwaschen oder wegschminken. Ich wusste, jeder würde mir ansehen, dass ich fertig bin.
Ein wenig zu spät traf ich auf der Arbeit ein. Alle versammelt zum Meeting und ich, mit meiner Seele im Gesicht, platzte da hinein. Jeder starrte mich an, niemand sagte etwas. Ich setzte mich so unauffällig es ging. Immer wieder bemerkte ich die Blicke, flüchtig, merkwürdig. Die Mittagspause folgte und meine Seele noch immer auf meinem Gesicht, über Nacht eingegraben, ganz tief. Mir ging es jämmerlich damit. Immer wieder Blicke. Ein Kollege, mit dem ich mich zur Pause traf, fragte ob ich nicht schlafen konnte. Sie war also noch da, meine Seele, ausgepackt für jeden sichtbar. Ich erzählte, ich hätte eine schlechte Nacht gehabt.
Später am Nachmittag traf ich ihn wieder. Er sagte, ich sähe noch immer total fertig aus. Ob es wirklich nur eine schlechte Nacht gewesen wäre, oder ob mir etwas in den Knochen stecke, fragte er. Ich sagte, das gehe nun halt nicht weg, das wird sich sicher mit dem nächsten Schlaf erledigen.
Den ganzen Tag wollte ich mich verstecken, ging aber nicht. Mich einfach nur vergraben, mich nicht so entblößen müssen. Ich wusste, ich darf nicht weinen, wenn ich am nächsten Tag zur Arbeit muss. Es hinterlässt zu viele Spuren, die nicht gehen wollen.
Dabei tut es gut alles einfach auszuheulen. Damit muss ich wohl bis zum Wochenende warten.
Ich hatte Angst davor.
Und doch habe ich den Fehler gemacht und SMS aufgeräumt, sortiert, ich kann sie nicht löschen. Sie dokumentieren viele Monate, viele Momente, viele Situationen. Sein Ordner umfasst nun genau 200 SMS, jede so wertvoll für mich, jetzt, da sie nicht mehr gültig sind. Die Worte nicht mehr voll sondern leer. Und obwohl ichs nicht wollte, laufen mir die Tränen. Ich kann nichts dagegen machen. Eigentlich ist doch nichts passiert, es ist doch noch. Aber es ist nicht mehr wie es war. Die Worte waren deutlich, unmissverständlich. Liebe wartet nicht, sagt er.
Ich erinnere mich, wie es begann, wie es fast zerbrach, wie ich mich aufgerieben habe an den Umständen, wie er es tat. Wie wir stritten und doch nie ohne den anderen konnten. Die Zeit, die ich verbrachte mit warten, hoffen, bangen. Mit Vorfreude. Mit Schmerz.
So viele Tränen sind geflossen und noch immer habe ich genug von ihnen, dass sie auch jetzt noch mein Kopfkissen tränken.
Es fühlt sich schrecklich an. Nicht dieser Wut-Schmerz, der es sonst war, sondern einfach nur Trauer um etwas, das vielleicht nie eine Chance hatte, obwohl wir alles versucht haben. Über unsere Grenzen hinaus. Es musste so kommen.
Und auf meinem Bett liegt ein Werbeprospekt mit den Lettern:
Liebe wartet nicht....
Und doch habe ich den Fehler gemacht und SMS aufgeräumt, sortiert, ich kann sie nicht löschen. Sie dokumentieren viele Monate, viele Momente, viele Situationen. Sein Ordner umfasst nun genau 200 SMS, jede so wertvoll für mich, jetzt, da sie nicht mehr gültig sind. Die Worte nicht mehr voll sondern leer. Und obwohl ichs nicht wollte, laufen mir die Tränen. Ich kann nichts dagegen machen. Eigentlich ist doch nichts passiert, es ist doch noch. Aber es ist nicht mehr wie es war. Die Worte waren deutlich, unmissverständlich. Liebe wartet nicht, sagt er.
Ich erinnere mich, wie es begann, wie es fast zerbrach, wie ich mich aufgerieben habe an den Umständen, wie er es tat. Wie wir stritten und doch nie ohne den anderen konnten. Die Zeit, die ich verbrachte mit warten, hoffen, bangen. Mit Vorfreude. Mit Schmerz.
So viele Tränen sind geflossen und noch immer habe ich genug von ihnen, dass sie auch jetzt noch mein Kopfkissen tränken.
Es fühlt sich schrecklich an. Nicht dieser Wut-Schmerz, der es sonst war, sondern einfach nur Trauer um etwas, das vielleicht nie eine Chance hatte, obwohl wir alles versucht haben. Über unsere Grenzen hinaus. Es musste so kommen.
Und auf meinem Bett liegt ein Werbeprospekt mit den Lettern:
Liebe wartet nicht....
...hatte ich noch ganz viele Ideen. Heute nicht mehr. Leer. Zum tausendsten Mal wünsche ich mir ne Badewanne. Einfach reinlegen und alles Ausbaden.
Kann es nicht erwarten, bis es dunkel wird. Ich mag es, wenn es dunkel ist. Dann kann man sich sein eigenes Licht zaubern und alles wirkt gemütlicher, vor allem an so Scheißtagen wie heute.
Wenn ich nur wüsste, woher mein Stimmungstief kommt. Kann es mir selbst nicht erklären, naja, vielleicht schon, aber mag nicht drüber nachdenken. Das war mal, das ist nicht mehr.
Kann es nicht erwarten, bis es dunkel wird. Ich mag es, wenn es dunkel ist. Dann kann man sich sein eigenes Licht zaubern und alles wirkt gemütlicher, vor allem an so Scheißtagen wie heute.
Wenn ich nur wüsste, woher mein Stimmungstief kommt. Kann es mir selbst nicht erklären, naja, vielleicht schon, aber mag nicht drüber nachdenken. Das war mal, das ist nicht mehr.
Ich ernähre mich vegan. Und vegane Ernährung und Kantinenscheißfraß passen überhaupt nicht zusammen, zumindest nicht in der meines Brötchenzahlers, die, wie er selbst betont, von einem Typ und seiner Frau gepachtet ist und nicht von meinem Brötchenzahler selbst betrieben wird.
Immer, wenn ich chaotisch genug war und im frühmorgentlichen Umnachtungszustand vergessen haben sollte, mich um meine Verpflegung zu kümmern und in der Mittagspause Hunger bekomme, bleibt mir leider nicht viel mehr übrig, als in der Scheißkantine irgendwas essbares zu suchen.
Der Typ, nennen wir ihn mal Herrn Grießgram und seine Frau, demnach Frau Grießgram, würden in der freien Wirtschaft ohne die Zwangskundschaft ganz schnell wieder die Forten schließen können. Aus einem einfachen Grund: mangelnde Kundenorientierung (Freundlichkeit mit eingeschlossen).
Ich sehe so gut wie immer über schlecht gelauntes Personal hinweg, jeder kann nen Scheißtag haben, ich nehms halt nicht persönlich. Aber bei Herrn und Frau Grießgram geht es nicht anders, denn sie meinen es persönlich.
Herr und Frau Grießgram lassen sicherlich lecker kochen und denken sich bestimmt auch immer wieder mehr oder weniger liebevoll ein Wochenprogramm für die Zwangskundschaft aus. Da sie aber scheinbar nur von den eigenen Ernährungsgewohnheiten geleitet werden, mangelt es an Vielfalt für Allergiker und Andersdenkende, und das täglich.
So kam es, dass ich Anfangs immer einen Salat genommen habe. Einen Salat ohne Dressing, weil die nur Dressing mit Joghurt anbieten. So habe ich also für eine scheißkleine Salat"schüssel", in der Größe eines Untersetzers für Kaffeetässchen immer EUR 2,80 bezahlt. Aber mal ehrlich, Salat ohne alles schmeckt schon irgendwie fad und pappig. Als ich dann bemerkt habe, dass sie auch Pommes mit Ketchup machen, wenn man danach verlangt und für den Teller nur EUR 1,70 nehmen, ist meine Notlösung also ein Teller voll Pommes mit einem Klecks Ketchup.
So kommt es vor, dass ich ein oder zweimal die Woche die Scheißkantine betreten muss und dort Pommes bestelle. Bereits nach meiner 2. Pommesbestellung hat sich Frau Grießgram anscheinend mein Gesicht eingeprägt. Da Herr und Frau Grießgram die Pommes immer frisch machen müssen, wenn man die haben will, bekommt man eine Wartenummer. Frau Grießgram greift schon immer automatisiert zu ihrem Wartezettelblock, wenn ich mich mit Tablett der Kasse nähere. Dann fragt sie "Pommes mit Ketchup?" und ich brauche nur noch nicken. Klingt ja toll und freundlich, aber das Gesicht, das sie dabei macht, ist unbeschreiblich einschläfernd. Irgendwann hatte ich dann auch die Ehre Herrn Grießgram kennenzulernen, nämlich an dem Tag, wo er die Pommes ausgerufen hat, nachdem sie fertig waren. Herr Grießgram wiegt geschätzt gute 200 kg. Als ich also Pommes Nr. 2 abholen kam, sah ich ihn. Verbittert und übel gelaunt. Wie ich feststellen musste, sind das fest integrierte Charakterzüge von ihm. Ich greife zum Teller und Herr Grießgram sagt, gerade so laut, dass es die ganze Kantine hören kann "Einmal Pommes mit Ketchup.... gut für die Figur". Klingt nach Ironie, dachte ich. Aber als ich ihn ansah, merkte ich, der meint das ernst, der will austeilen.
Pommes Nr. 3 kamen in der gleichen Woche. Hunger, nix anderes zu haben, also wieder "Pommes mit Ketchup?".. nicken, warten. Herr Grießgram schreit von hinten aus der Küche "Schon wieder nur Feinschmecker hier unterwegs... Man man man...." Ich gucke meine Kollegin an, die auch Pommes bestellt hat. Wir fassens irgendwie nicht, aber sagen nix.
Dann kamen noch ein paar Wochentage mit einigen Pommesbestellungen und immer ein Spruch. Heute war wieder ein Pommestag. Nachdem ich mich von Frau Grießgram wieder zur notorischen Junkfoodbestellerin habe outen lassen, kam der Moment, in dem ich die Pommes von Herrn Grießgram abholen musste. Herr Grießgram guckt niemanden an, wenn er seine Sprüche austeilt. Niemanden. Er haut sie raus, während er seinen Körper wegschlurfen lässt. Heute dann, ich hatte einen Scheißtag, gibt er mir also die Pommes und sagt "Sie ernähren sich ganz schön ungesund, wissen sie das?". Ich habe nicht gezählt, wieviele Sprüche ich tapfer geschluckt habe, wie oft ich nur "WTF" dachte, die unzähligen Momente, in denen ich mich rechtfertigen wollte. Dann ist es aus mir rausgeplatzt. Ich habe ihn angeschaut und ihm, während er seinen Körper wegschlurfen lassen wollte, gesagt, dass ich eine Scheißallergie gegen Scheiß tierische Eiweisse habe und dass er in seiner Scheißkantine nicht ein einziges Scheißessen anbietet, das ohne tierische Scheißinhaltsstoffe ist. Gerade so laut, dass es die ganze Kantine hören konnte.
Herr Grießgram ist stehengeblieben und hat überlegt. Dann hat er genickt und ich bin mit meinen Pommes weggegangen.
Ich musste lügen. Herr Grießgram ist nicht der Typ, der verstehen würde, dass es Menschen gibt, die irgendeine Art von "Lebensmitteln" boykottieren, weil ihnen irgendwas daran nicht passt.
Vielleicht, aber nur vielleicht, denkt Herr Grießgram jetzt auch über Gerichte für Allergiker nach, oder für Menschen, die nicht alles unreflektiert in sich reinstopfen wollen.
Immer, wenn ich chaotisch genug war und im frühmorgentlichen Umnachtungszustand vergessen haben sollte, mich um meine Verpflegung zu kümmern und in der Mittagspause Hunger bekomme, bleibt mir leider nicht viel mehr übrig, als in der Scheißkantine irgendwas essbares zu suchen.
Der Typ, nennen wir ihn mal Herrn Grießgram und seine Frau, demnach Frau Grießgram, würden in der freien Wirtschaft ohne die Zwangskundschaft ganz schnell wieder die Forten schließen können. Aus einem einfachen Grund: mangelnde Kundenorientierung (Freundlichkeit mit eingeschlossen).
Ich sehe so gut wie immer über schlecht gelauntes Personal hinweg, jeder kann nen Scheißtag haben, ich nehms halt nicht persönlich. Aber bei Herrn und Frau Grießgram geht es nicht anders, denn sie meinen es persönlich.
Herr und Frau Grießgram lassen sicherlich lecker kochen und denken sich bestimmt auch immer wieder mehr oder weniger liebevoll ein Wochenprogramm für die Zwangskundschaft aus. Da sie aber scheinbar nur von den eigenen Ernährungsgewohnheiten geleitet werden, mangelt es an Vielfalt für Allergiker und Andersdenkende, und das täglich.
So kam es, dass ich Anfangs immer einen Salat genommen habe. Einen Salat ohne Dressing, weil die nur Dressing mit Joghurt anbieten. So habe ich also für eine scheißkleine Salat"schüssel", in der Größe eines Untersetzers für Kaffeetässchen immer EUR 2,80 bezahlt. Aber mal ehrlich, Salat ohne alles schmeckt schon irgendwie fad und pappig. Als ich dann bemerkt habe, dass sie auch Pommes mit Ketchup machen, wenn man danach verlangt und für den Teller nur EUR 1,70 nehmen, ist meine Notlösung also ein Teller voll Pommes mit einem Klecks Ketchup.
So kommt es vor, dass ich ein oder zweimal die Woche die Scheißkantine betreten muss und dort Pommes bestelle. Bereits nach meiner 2. Pommesbestellung hat sich Frau Grießgram anscheinend mein Gesicht eingeprägt. Da Herr und Frau Grießgram die Pommes immer frisch machen müssen, wenn man die haben will, bekommt man eine Wartenummer. Frau Grießgram greift schon immer automatisiert zu ihrem Wartezettelblock, wenn ich mich mit Tablett der Kasse nähere. Dann fragt sie "Pommes mit Ketchup?" und ich brauche nur noch nicken. Klingt ja toll und freundlich, aber das Gesicht, das sie dabei macht, ist unbeschreiblich einschläfernd. Irgendwann hatte ich dann auch die Ehre Herrn Grießgram kennenzulernen, nämlich an dem Tag, wo er die Pommes ausgerufen hat, nachdem sie fertig waren. Herr Grießgram wiegt geschätzt gute 200 kg. Als ich also Pommes Nr. 2 abholen kam, sah ich ihn. Verbittert und übel gelaunt. Wie ich feststellen musste, sind das fest integrierte Charakterzüge von ihm. Ich greife zum Teller und Herr Grießgram sagt, gerade so laut, dass es die ganze Kantine hören kann "Einmal Pommes mit Ketchup.... gut für die Figur". Klingt nach Ironie, dachte ich. Aber als ich ihn ansah, merkte ich, der meint das ernst, der will austeilen.
Pommes Nr. 3 kamen in der gleichen Woche. Hunger, nix anderes zu haben, also wieder "Pommes mit Ketchup?".. nicken, warten. Herr Grießgram schreit von hinten aus der Küche "Schon wieder nur Feinschmecker hier unterwegs... Man man man...." Ich gucke meine Kollegin an, die auch Pommes bestellt hat. Wir fassens irgendwie nicht, aber sagen nix.
Dann kamen noch ein paar Wochentage mit einigen Pommesbestellungen und immer ein Spruch. Heute war wieder ein Pommestag. Nachdem ich mich von Frau Grießgram wieder zur notorischen Junkfoodbestellerin habe outen lassen, kam der Moment, in dem ich die Pommes von Herrn Grießgram abholen musste. Herr Grießgram guckt niemanden an, wenn er seine Sprüche austeilt. Niemanden. Er haut sie raus, während er seinen Körper wegschlurfen lässt. Heute dann, ich hatte einen Scheißtag, gibt er mir also die Pommes und sagt "Sie ernähren sich ganz schön ungesund, wissen sie das?". Ich habe nicht gezählt, wieviele Sprüche ich tapfer geschluckt habe, wie oft ich nur "WTF" dachte, die unzähligen Momente, in denen ich mich rechtfertigen wollte. Dann ist es aus mir rausgeplatzt. Ich habe ihn angeschaut und ihm, während er seinen Körper wegschlurfen lassen wollte, gesagt, dass ich eine Scheißallergie gegen Scheiß tierische Eiweisse habe und dass er in seiner Scheißkantine nicht ein einziges Scheißessen anbietet, das ohne tierische Scheißinhaltsstoffe ist. Gerade so laut, dass es die ganze Kantine hören konnte.
Herr Grießgram ist stehengeblieben und hat überlegt. Dann hat er genickt und ich bin mit meinen Pommes weggegangen.
Ich musste lügen. Herr Grießgram ist nicht der Typ, der verstehen würde, dass es Menschen gibt, die irgendeine Art von "Lebensmitteln" boykottieren, weil ihnen irgendwas daran nicht passt.
Vielleicht, aber nur vielleicht, denkt Herr Grießgram jetzt auch über Gerichte für Allergiker nach, oder für Menschen, die nicht alles unreflektiert in sich reinstopfen wollen.